Warum spricht man vom Sensenmann?

Als mich Kiewi im ZDF-Fernsehgarten am Pfingstsonntag fragte: „Eigentlich will ja keiner, dass ich der Sensenmann sein soll“ – da antwortete ich sofort: „Ja, sei mal froh, dass vor dir eine Sensenfrau steht.“ Das Publikum lachte. Und mir wurde wieder einmal klar, wie tief der Sensenmann in unserem Gedächtnis steckt – und wie wenig die meisten über seine Herkunft wissen.

Woher kommt das Wort „Sensenmann“?

Das Wort Sensenmann taucht im Deutschen erstmals im 17. Jahrhundert schriftlich auf – als Bezeichnung für den personifizierten Tod. Doch die Idee dahinter ist viel älter. Sie reicht zurück ins Mittelalter, in die Zeit der großen Pestepidemien des 14. und 15. Jahrhunderts.

Die Wurzel des Wortes ist eindeutig: „Sense“ stammt vom althochdeutschen „segansa“ und dem indogermanischen „*sē̊k-“ – der Wurzel für schneiden.

Das Werkzeug, das schneidet. Der Mann, der das Werkzeug benutzt. Der Tod, der erntet. Diese Dreiheit beschreibt im Grunde den Sensenmann.

Der Tod als Schnitter: ein deutliches Bild: das Gras fällt, die Menschen fallen. Der Schnitter erntet – gründlich, unaufhörlich, rücksichtslos.

Dann kam die Pest in Europa im 14. und 15. Jahrhundert, es starben unzählige Menschen. Dargestellt wurde der Tod tanzend – als Skelett, mit Sense – mit allen Gesellschaftsschichten. Ob Kaiser oder Bauer, Bischof oder Kind: alle werden gleich. Die Sense macht keinen Unterschied. Was sie trifft, fällt.

In dieser Zeit bekam der Sensenmann auch seine charakteristischen Attribute:

Department56 - der Sensenmann

 

DIE ATTRIBUTE DES SENSENMANNES

Die Sense: Symbol des unabwendbaren Schnittes – das Leben wird gemäht

Das Skelett: der Tod als menschliches, totes Gerippe

Die Kapuze: Dunkle Kutte des Mönches oder Bestatters – ohne Gesicht

Die Sanduhr: Die ablaufende Zeit – wann … der Tod kommt gewiss

Die Farbe Schwarz: Trauer, Dunkel, das Nicht-Sehen

Das Stundenglas sagte: Die Zeit läuft ab. Die Sense sagte: Wenn sie abgelaufen ist, komme ich. Und das Skelett sagte: Ich habe kein Gesicht. Ich bin für alle gleich.

weiblicher Sensenmann

Warum ein Mann? – Die historische Herkunft

Hier ist die Frage, die mich als Sensenrichterin und Sensenlehrerin persönlich am meisten interessiert: Warum ist der Tod ein Mann mit einer Sense – und keine Frau?

Die Antwort hat weniger mit dem Tod zu tun als mit der Arbeit des Mähens.  Das Mähen mit der Sense von riesigen Flächen, von reifem Getreide zur Nahrung und Futter für die Tiere – das war Männerarbeit.

→  Der Mann pflügte, säte und mähte.

→  Die Frau band die Garben, reinigte das Korn und sorgte für Haus, Kind und Stall

Das heißt nicht, dass Frauen nicht mähten. Sie mähten. Oft. Viel. Historische Quellen belegen, dass Bäuerinnen selbstverständlich bei der Getreideernte mithalfen – und mancher Frau eine Sense in der Hand so vertraut war wie dem Mann.  Die Bäuerin mit der Sichel. Die Tochter auf dem Feld. Die Frau, die abends noch mähte, nachdem sie gekocht, gewaschen und genäht hatte. Aber das öffentliche, sichtbare Bild des Mähers war männlich. Und dieses Bild hat die Symbolik des Todes geprägt.

weiblicher Sensenmann

Keine Sensenfrau? – Das stimmt so nicht

Es gibt keine Sensenfrau im Sinne einer Todesgestalt – aber es gibt sie im Sinne der Geschichte. Und ich bin eine davon.

Heute, im Sensenverein Deutschland, sind wir sieben zertifizierte Sensenlehrerinnen von insgesamt 60 ausgebildeten Sensenlehrern.

Für mich ist die Sense das Werkzeug des Lebens. Sie schützt Blumenwiesen. Sie rettet Orchideen. Sie gibt dem Mäher Rhythmus, Stille und Erd-Verbundenheit. Sie ist das älteste Werkzeug der Menschheit für das, was immer schon nötig war: Nahrung für Mensch und Tier.

Und wenn jetzt jemand fragt: „Ist der Sensenmann nicht gruselig?“ – dann sage ich: „Als Sensenfrau bringe ich Schwung, Rhythmus und Begeisterung auf die Wiese statt Schrecken ins Leben.“, Edda Ryser, die Sensenlehrerin

Bedeutung Sensenmann

Häufige Fragen zum Sensenmann (FAQ)

Woher kommt der Begriff Sensenmann?

Das Wort taucht schriftlich erstmals im 17. Jahrhundert auf, die Idee stammt aber aus dem Mittelalter.

Warum hat der Tod eine Sense und keine andere Waffe?

Weil die Sense das Symbol des Erntens ist – unabwendbar, rücksichtslos, alle betreffend, unvermeidlich. Was gemäht ist, fällt. Der Tod „erntet“ Seelen wie der Mäher das Gras.

Warum gibt es keine Sensenfrau als Todesfigur?

Weil das sichtbare Bild des Mähers im Mittelalter männlich war.

Was hat der Sensenmann mit der modernen Sense zu tun?

Nichts – und alles. Die Sense selbst ist ein Werkzeug des Lebens. Der Sensenmann hat ihr das Image der Furcht aufgedrückt. Als Sensenlehrerin ist es mein Ziel, die Sense als das zu zeigen, was sie ist: ein Werkzeug der Stille, der Natur und der Lebensfreude.

Gibt es heute Sensenfrauen?

Ja. Im Sensenverein Deutschland sind sieben von 60 zertifizierten Sensenlehrer:innen Frauen. Edda Ryser ist eine davon – zertifizierte Sensenlehrerin und Sensenrichterin.

Möchtest du mehr über die Geschichte der Sense erfahren?

In meinen Kursen verbinden wir Geschichte mit Praxis: vom Freudenthaler Sensenhammer bis zum ersten eigenen Schwung. Von Waiblingen bis hin zu deiner Wiese. Ich freu mich auf deine Anmeldung

→  Sensenkurs:      https://die-sensenlehrerin.de/kurse/sensen/

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Ryser, Sensenfrau oder Sensenmännin