Was haben Geigespielen und Sensenmähen gemeinsam?
Wissenswertes • Sensen • Mähtechniken
Nanu, solch unterschiedliche Themen wie Geigespielen und Sensenmähen? Was sollen die denn gemeinsam haben? Vielleicht ist es etwas weit hergeholt – und dennoch: sei gespannt. Ich freu mich auf dein Feedback.
GEMEINSAMKEITEN AUF EINEN BLICK
- Material: beide bestehen aus Holz und Metall
- Einstellung: beide müssen auf den Benutzer angepasst werden
- Pflege: beide brauchen regelmäßige Zuwendung vor dem Einsatz
- Vorbereitung: bei beiden lohnt sich das Beobachten des Umfelds vorab
- Flow: beide führen bei genügend Übung in einen meditativen bzw. mähditativen® Zustand
Denn auch das Sensenmähen hat etwas mit Führung zu tun – warum also nicht solch unterschiedliche Bereiche miteinander verbinden? Ich wage einfach mal den Versuch.
Du liest: In erster Linie haben sie mit mir zu tun, da ich vor Jahrzehnten stundenlang am Tag meine geliebte Geige spielen ließ und eine Menge dabei gelernt habe. Das Leben kam zwischen uns – und so bleibt mir die wärmende Erinnerung an intensives Tönen mit hohem Anspruch an Perfektion.
Holz, Metall und die Kunst der Einstellung
Rein vom Material her sind Geige und Sense sich erstaunlich ähnlich: Beide bestehen aus Holz und Metall. Der Geigenkörper und der Sensenworb auf der einen Seite, die Geigensaiten und das Sensenblatt auf der anderen.
Und beide müssen auf ihren Benutzer eingestellt werden – in Größe und Haltung. Meine Geige hatte eine besondere Form mit ihrem gewölbten Bauch – daher wurde sie auch Damengeige genannt. Der Worb meiner Sense ist ebenso geschwungen und in Größe 3 genau passend für mich. Für die gute Kopfhaltung beim Geigenspiel war eine Schulterstütze unterm Instrument angesagt. Beim Worb stelle ich die Griffe genau auf meine Arm- und Beinlänge ein.
Und beide brauchen regelmäßige Pflege vor dem Einsatz: Die Geige braucht Kolophonium auf dem Bogen, frische Saiten und manchmal einen Besuch beim Geigenbauer. Die Sense braucht den Wetzstein, regelmäßiges Dengeln und eine gut eingestellte Klinge. Beide Instrumente – denn als solches betrachte ich die Sense sehr wohl – sprechen mit ihrem Benutzer, wenn man ihnen zuhört.
Das Umfeld beobachten – vor dem Spiel wie vor der Mahd
Bei beiden Gerätschaften gilt es, das Umfeld vorab zu beobachten. Bei der Geige ist es das zu spielende Musikstück: Welche Takte sind schwierig? In welcher Tonart wird gespielt? Wo liegt die Phrase, die Fingerfertigkeit fordert?
Beim Sensenmähen ist es die Wiese: Wo sind die Bäume, das schwere liegende Gras, die Brennnesseln, die Hanglage? Mit welchem Sensenblatt arbeite ich am besten? Diese Beobachtungen und Überlegungen vorab erleichtern ungemein das Arbeiten – und offen gesagt: mein Arbeitsdrang und meine Schaffensbegeisterung werden dabei etwas gedämpft, was mich erdet und zur Ruhe bringt. Ich stelle mich auf die vor mir liegende Aufgabe ein. Ich lasse alles andere los und fokussiere mich auf mein Tun.
Einfach drauf los spielen – oder einfach drauf los sensen – mag seinen Reiz haben. Doch wenn ich mir dann beim Spielen zuhöre oder das Mähergebnis sehe, bin ich dann doch nicht wirklich glücklich. Und da ich nun mal ein glückliches Leben gestalten möchte, beginne ich lieber wie bei Monopoly: zurück auf Start.
Von der schwierigsten Stelle aus – die Technik des Einarbeitens
Früher habe ich meine Konzertstücke an der schwierigsten Stelle begonnen und mich dann taktweise nach rechts und links vorgearbeitet. So war sichergestellt, dass die schwierigsten Takte genauso sicher saßen wie die leichteren – und ich die Angst vor den musikalischen Herausforderungen Schritt für Schritt gemeistert hatte. Stets mit dem Anfang zu beginnen und dann das Tempo vor den schweren Takten zu halbieren – ein No-Go für mich damals.
Und genau diese Denkweise übertrage ich auch aufs Sensenmähen – mit Techniken, die ich selbst entwickelt und benannt habe:
Die vier Sensenmäh-Techniken – von der Lolly- bis zur Schlangentechnik
DIE VIER SENSENMÄH-TECHNIKEN IM ÜBERBLICK
- Lolly-Technik: von der Mitte der Wiese im Kreis nach außen – tierschonend
- Dalmatiner-Technik: zuerst die leichten Stellen, dann das härtere Gras – schneidenschonend
- Zeilentechnik: in geraden Zeilen sensen – ideal für Hanglagen
- Schlangentechnik: hin und zurück, in einem Fluss – die Kür für Geübte
Die Lolly-Technik: Ich sense mich zur Mitte der Wiese und arbeite mich dann im Kreis von innen nach außen. So können Tiere wie Rehe sicher nach außen fliehen – tierschonendes Sensenmähen, das gleichzeitig effizient ist.
Die Dalmatiner-Technik hat den Fokus auf schneidenschonendes Arbeiten. Ich sense zuerst die leichten Stellen, um dann mit der schon etwas stumpfer gewordenen Schneide das härtere, liegende oder feuchte Gras zu mähen. Das hat mit dem Schneidwinkel und dem Materialgefühl zu tun.
Oder sollte man – bei Hanglage – lieber in Zeilen sensen? Der Einfachheit halber nenne ich das die Zeilentechnik: gleichmäßig, sicher, strukturiert. Ideal für schwieriges Gelände oder Anfänger, die noch Sicherheit gewinnen möchten.
Übrig bleibt die Schlangentechnik: das Sensenmähen voll im Fluss, hin und zurück, in einem Zug – das ist wie die Kür in der Musik. Je öfter ich ein Musikstück gespielt hatte, desto mehr konnte ich auf andere Dinge achten: den Bogenstrich, das gleichzeitige Zupfen und Streichen, die Flageolette-Stücke, die wie Sphärenklänge die Luft erfüllten.
Dieses freie Schwingen der Sense, den größeren Radius ausprobieren, die Wirbelsäulenbewegung spüren, das Durchziehen des linken Armes, die back-to-right-position, das Spüren der Füße auf der Erde, die Kraft des Schwunges – das sind dann die Sahnehäubchen. Die Praline-Stückchen, die mich mit der Natur verbinden.
Wenn das Sensenblatt klingt – der schönste Moment
Was mich am meisten beim Sensen an meine geliebte Geige erinnert? Der Klang beim Wetzen.
Als ich das Wetzen gelernt hatte und mit einem Mal das Sensenblatt klang – ja, es waren klingende, schwingende Wetzstriche –, da war ich überrascht und berührt zugleich. Diese Klangstärke lehrte mich, auf die korrekte Wetzhaltung zu achten. Dann klingt mein Sensenblatt in verschiedenen Tönen – was für eine Überraschung!
Und als ich zur Kontrolle die Rückseite meines Blattes angeschaut habe: Was für ein gleichmäßiger Abrieb. Seitdem höre ich beim Wetzunterricht, wann die Teilnehmer klingend wetzen – und was ihnen für die garantierte Schneidenschärfe gut tun würde. Ist es die Sensenhaltung? Die Blatthaltung? Die Wetzsteinhaltung? Die Handhaltung?
Sensenmähen als Mähditation® – der Flow-Zustand
Was mich dabei immer wieder fasziniert: Wenn man lange genug mit der Sense im Fluss ist – wenn die Technik sitzt, der Rhythmus stimmt, die Wiese führt – dann entsteht etwas, das ich Mähditation® nenne.
Es ist jener Zustand, in dem der Geist sich beruhigt, die Gedanken aufhören zu springen – und nur noch die Bewegung bleibt. Der Atem. Das Schwingen. Das satte Geräusch des geschnittenen Grases. Genau diesen Zustand kenne ich auch vom langen, konzentrierten Geigespielen: Man hört auf zu denken und fängt an zu sein.
Vielleicht ist das das Schönste, was beide gemeinsam haben: Sie laden uns ein, loszulassen. Den Alltag hinter uns zu lassen. Und im Rhythmus des Augenblicks ganz bei uns zu sein – ob mit Bogen oder Sensenblatt in der Hand.
Häufige Fragen zum Sensenmähen (FAQ)
Was ist die Lolly-Technik beim Sensenmähen?
Bei der Lolly-Technik mäht man sich zur Mitte der Wiese und arbeitet sich im Kreis von innen nach außen – tierschonend, weil Tiere wie Rehe sicher nach außen flüchten können.
Was ist die Schlangentechnik beim Sensenmähen?
Die Schlangentechnik ist Sensenmähen voll im Fluss – hin und zurück, in einem Zug. Sie ist die Kür für Geübte und erfordert Technik, Körpergefühl und Übung.
Wie stellt man die Sense richtig ein?
Der Sensenworb wird in Größe, Griffposition und Winkel individuell auf Arm- und Beinlänge eingestellt – ähnlich wie ein Musikinstrument auf seinen Spieler abgestimmt wird.
Was bedeutet Mähditation® beim Sensenmähen?
Mähditation® beschreibt den meditativen Zustand beim rhythmischen Sensenmähen: Atem, Schwingen und Vorwärtsbewegung verschmelzen – ähnlich wie beim Musizieren im Flow.
Wie lernt man Sensenmähen am schnellsten?
Am schnellsten lernt man Sensenmähen in einem Sensenkurs – mit individueller Einstellung des Worbs, Unterricht in Haltung und Technik und direktem Feedback auf der Wiese.
Lust bekommen auf deine eigene Sense?
Vielleicht habe ich dir Lust gemacht, dich auch mal von deiner Sense führen zu lassen – dich auf sie einzustellen und gemeinsam das Beste zu gestalten. Ob du ein Musikinstrument spielst oder nicht: Die Sense hat ihren eigenen Rhythmus. Und dieser Rhythmus gehört dir.
Ich freu mich auf deine Nachricht – ob per Kontaktformular oder direkt in einem meiner Kurse.
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