Der Wetzsteinstollen in Jux-Spiegelberg
Wissenswertes • Geschichte • Sensen • Rems-Murr-Kreis
Und wieder eine Zeitreise der besonderen Art: die Führung im Wetzsteinstollen bei Spiegelberg-Jux, mitten im Wald. Geschichte, Handwerk und die Frage: Was verbindet einen Wetzstein aus dem 19. Jahrhundert mit dem Sensenmähen heute?
Was ist ein Wetzstein – und warum wurde er so wertvoll?
DIREKTE ANTWORT – WAS IST EIN WETZSTEIN?
Ein Wetzstein ist ein Schleifstein aus Naturgestein zum Schärfen von Sensen, Messern und anderen Schneidwerkzeugen. Er zieht den beim Mähen entstehenden Grat von der Schneide – unverzichtbar für eine scharfe Sense. Ohne Wetzstein keine scharfe Sense. Ohne scharfe Sense kein gutes Mähen.
In einer Zeit, in der Sense und Sichel die einzigen Erntewerkzeuge für Getreide und Gras waren, war der Wetzstein unverzichtbar. Jeder Mäher brauchte ihn – täglich. Und wer Wetzsteine abbauen und verkaufen konnte, verdiente sich damit ein Zubrot. Im Gebiet um Spiegelberg geschah genau das – bereits ab ca. 1600.
Der Stollen: Geschichte, Bergbau und das Ende 1920
DER WETZSTEINSTOLLEN JUX-SPIEGELBERG – ECKDATEN
- Wetzsteinabbau in der Region: ab ca. 1600
- Stollenbau begonnen: um 1880
- Betrieb eingestellt: 1920 (mit einer Sprengung)
- Wiederentdeckung: 2001
- Eröffnung als Besucherbergwerk: 2012
- Bergbaulehrpfad: 5 km lang, verschiedene Abbauorte
Hier, bei Spiegelberg-Jux im Rems-Murr-Kreis, wurde das Material im Bergwerk abgebaut – was in der damaligen Zeit einmalig war. Begonnen wurde damit um 1880, nach verschiedenen Unterbrechungen endgültig beendet 1920 mit einer Sprengung.

Wappen am Eingangstor Wetzsteinstollen Jux
Die Arbeitsbedingungen – dunkel, eng, laut, gefährlich
Was für Anstrengungen und Arbeitsbedingungen die Menschen damals auf sich genommen haben. Dunkel, eng, laut, gefährlich – da wird einem die geschützte Atmosphäre in einem Büro noch mehr bewusst.
Ohne Schutzausrüstung oder moderner Beleuchtung, ohne Belüftung wie heute. Die Männer arbeiteten mit Meißel und Hammer, oft kniend oder liegend, in engen Gängen unter der Erde. Das abgebaute Gestein musste von Hand nach oben gefördert werden. Deckeneinstürze, Gasaustritt und Wasser waren tägliche Gefahren.
Spannend zu sehen, wie aus dem Stein der spätere Wetzstein gehauen wurde. Ein Handwerk, das viel Können erforderte – denn nicht jeder Stein eignete sich und nicht jeder Bruch ergab die gewünschte Körnung und Härte.

nur wenige Schichten waren für Wetzsteine geeignet
Die Wiederentdeckung – eine Geschichte wie ein Krimi
Spannend auch die Geschichte der Wiederentdeckung des Stollens – war er doch vollkommen verschüttet. Erst durch die Erzählungen eines sehr betagten Einwohners, der einst seinem Vater das Essen in den Stollen gebracht hatte und nur noch den ungefähren Ort in Erinnerung hatte, wurde eine Suche möglich.
Nach vielen Fehlgrabungen, Niederlagen, kurz vor dem Aufgeben – dann der Durchbruch: Der Eingang des Stollens wurde 2001 wiederentdeckt. Der Zugang konnte freigelegt werden. Im Laufe der Zeit wurde dann der vordere Teil begehbar gemacht. Die vielen Mühen bei der Freilegung sind auf der Website des Wetzsteinstollens sehr anschaulich dargestellt.
Der eigentliche Stollen geht noch viel weiter – doch er ist noch verschüttet und birgt seine Geheimnisse für sich. Seit 2012 ist er als Besucherbergwerk eingeweiht.

Wetzstoi-Hexa
Die Führung – Waldweg, Wetzstoihexa und kulinarische Überraschungen
Doch bis zur Besichtigung gab es eine Überraschungswanderung von Klaus Frank und Gudrun Keilbach – was für ein herrlicher Waldweg zum Stollen! An besonderen Orten warteten Überraschungen: eine kleine Lesung aus dem Krimi von Jürgen Seibold, der rund um diesen Stollen handelt. Ein Buch, das die Geschichte in eine fesselnde Erzählung kleidet.
Auch die kulinarischen Leckereien begeisterten: angefangen mit den Wetzstoiwecka bis hin zu den Bränden und Likören der Destillatscheune Weiss aus Neulautern. Einen Schreck jagten auf dem Weg die Wetzstoihexa ein – hinter Felsen versteckt, sprangen sie hervor. Ein unvergesslicher Nachmittag.

Einblick in den Wetzsteinstollen
Spuren von Sensen und Wetzen im Rems-Murr-Kreis
Ich freue mich, dass ich auch im Rems-Murr-Kreis Spuren von Sensen, Dengeln und Wetzen entdecke – so nah vor der Haustür. Gerne möchte ich den 5 km langen Bergbaulehrpfad erkunden, der die verschiedenen Stellen des Wetzsteinabbaus in der Region zeigt. Bereits um 1600 wurde in diesem Gebiet wetzsteinhaltiges Gestein abgebaut – ein Zubrot in einer Zeit, als Sense und Sichel das einzige Erntewerkzeug für Getreide und Gras waren.
Der alte Dengelbock – eine Restaurierung kündigt sich an
Vor kurzem wurde mir ein alter Dengelbock angeboten, der schon auf dem Schrotthaufen lag. Als ich ihn zum Sensenlehrer-Treffen nach Leverkusen mitbrachte, waren Sammler sofort begeistert: „Unbedingt aufheben und vor allem: restaurieren – das ist ein Guter! Aber schütze das Marken-Schild auf dem Dengelbock!“
Eine Herausforderung für mich – bin ich doch so gar nicht geduldig im Restaurieren. Doch: geht nicht, gibt’s nicht! Alles ist machbar. Über diesen Prozess schreibe ich, sobald es wieder wärmer wird. Es wird spannend – bleibt dran.

die verschiedenen Herstellungsschritte
Häufige Fragen zum Wetzsteinstollen Spiegelberg (FAQ)
Was ist der Wetzsteinstollen in Spiegelberg-Jux?
Ein historisches Bergwerk im Rems-Murr-Kreis, in dem ab ca. 1880 Wetzsteinmaterial abgebaut wurde. Nach einer Sprengung 1920 verschüttet, 2001 wiederentdeckt und seit 2012 als Besucherbergwerk geöffnet.
Was ist ein Wetzstein?
Ein Schleifstein aus Naturgestein zum Schärfen von Sensen und anderen Schneidwerkzeugen. Er zieht den beim Mähen entstehenden Grat von der Schneide – unverzichtbar für eine scharfe Sense.
Wie wurde der Wetzsteinstollen wiederentdeckt?
Ein betagter Einwohner erinnerte sich, als Kind seinem Vater das Essen in den Stollen gebracht zu haben. Nach vielen Fehlgrabungen wurde der Eingang 2001 wiedergefunden und freigelegt.
Kann man den Wetzsteinstollen Spiegelberg besuchen?
Ja. Seit 2012 ist er als Besucherbergwerk geöffnet. Weitere Informationen und Führungen unter wetzsteinstollen.de.
Was ist ein Dengelbock?
Ein Dengelbock ist das Gerät, auf dem die Sense gedengelt wird – durch Hammerschläge auf dem Amboss geschärft und geformt. Alte Dengelbocke sind bei Sammlern von Sensen-Werkzeug begehrte Stücke.
Möchtest du mehr über Sensen, Wetzen und Dengeln erfahren?
Ob Sensenkurs, Wetzstein-Grundlagen oder Dengeln – von Waiblingen bis hin zu deiner Wiese freue ich mich über deine Kontaktaufnahme.
📸 Folge mir auf Instagram für Entdeckungen aus der Sensen-Geschichte, Kurse und Naturmomente: @die_sensenlehrerin
→ Sensenkurs: https://die-sensenlehrerin.de/kurse/sensen/
→ Wetzsteinstollen: http://www.wetzsteinstollen.de
→ Kontakt: https://die-sensenlehrerin.de/kontakt/






